HuPäSch

1) Definition HuPäSch

HuPäSch ist die Abkürzung für Hundegestützte Pädagogik in Schulen.  Hundegestützte (Sonder-) Pädagogik bedeutet den Einsatz von speziell ausgebildeten Hunden im Unterricht.

Hundegestützte (Sonder-) Pädagogik ermöglicht durch den regelmäßigen Einsatz des Hundes u.a.:

  •  eine Verbesserung der Lernatmosphäre
  • • Verbesserung des Lernerfolgs sowie die Motivation
  • Steigerung der Kommunikationsfähigkeit

Förderung der sozialen und emotionalen Kompetenzen

Durch das von der ausgebildeten Lehrperson auf die jeweiligen Schülerinnen und Schüler sowie den Hund erarbeitete pädagogische Grundkonzept werden Chancen im Lernprozess, die durch eine positive Wirkung des Hundes entstehen, ermöglicht.

Bei der Hundegestützten (Sonder-) Pädagogik geht es nicht nur um den richtigen Umgang mit dem Hund, sondern

  • die Hunde nehmen die Schülerinnen und Schüler so an wie sie sind.
  • der Umgang mit den Hunden offenbart schnell Stärken und Schwächen der Schülerinnen und Schüler.
  • die Hunde spiegeln deutlich die Stimmung in der Klasse sowie der einzelnen Schülerinnen und Schüler wider
  •   (vgl. Otterstedt 2007).
  • über den Umgang mit den Hunden kann das Selbstbewusstsein der Schüler sichtbar aufgebaut werden.
  • Empathie und Sozialverhalten können trainiert werden.
  • soziale Handlungsstrategien können entwickelt und erlernt werden.
  • das soziale Bewusstsein sowie das Verantwortungsbewusstsein werden geschult.

die Anwesenheit der Hunde ermöglicht eine entspannte und motivierte Lernsituation.

Laut Beetz et al. (2011) wird durch den Einsatz eines Hundes neben den aufgezählten Punkten die Schulzufriedenheit erhöht und das Klassenklima verbessert.

2) Hunde und ihre positive Auswirkungen in der Schule

An Grundschulen sowie an Förderschulen haben viele Schülerinnen und Schüler große Probleme im emotionalen und sozialen Bereich, im Lern- und Arbeitsverhalten, in der Konzentration sowie in den Bereichen Kommunikation, Wahrnehmung, Motorik sowie der Kognition.

Untersuchungen haben ergeben, dass das Zusammenleben mit Tieren folgendes verbessert (vgl. Beetz et al.  2011):

  • Verbesserung der Kommunikationsfähigkeit,
  • Förderung der Empathiefähigkeit, Toleranz und Rücksichtnahme
  • Förderung der Kontaktfähigkeit,
  • Förderung der Konfliktfähigkeit,
  • Verbesserung der Frustrationstoleranz,
  • Förderung des sozialen Lernens,

Anregung der emotionalen und sozialen Intelligenz.

Der Einsatz eines Hundes in der Schule fördert die Grundbausteine einer guten Beziehung. Diese bestehen laut Bauer (2008) darin, sich aufeinander einzulassen, gemeinsam Handlungen zu planen und umzusetzen, in Kooperation miteinander zu treten und Verantwortung wahrzunehmen.

Davon abgeleitet ergeben sich durch den Einsatz eines Schulhundes folgende Fördermöglichkeiten und zugleich Ziele:

  • Förderung der Emotionalität und des Sozialverhaltens
  • Förderung der Soziabilität
  • Förderung der Kognition
  • Förderung des Lern- und Arbeitsverhaltens
  • Förderung der Motorik
  • • Förderung der Wahrnehmung

Auswirkungen von Hunden auf die soziale Integration von Kindern

Um diese Fördermöglichkeiten/ Ziele umzusetzen, gibt es zwei Einsatzmöglichkeiten eines Hundes, die für den Schuleinsatz möglich sind.

Der Präsenzhund

  • verbringt regelmäßig eine bestimmte Zeit in der Schule.
  • Er wird von der ausgebildeten Lehrperson eigenverantwortlich geführt.
  • Hier wird zwischen einer gelenkten und freien Interaktion unterschieden.
  • Die freie Interaktion bedeutet, dass der Hund im Klassenraum anwesend ist ohne bestimmte Aufgaben zu erfüllen.
  • Bei der gelenkten Interaktion muss der Hund Aufgaben, die er durch die Schülerinnen und Schüler oder durch die
  •   Lehrperson erhält, erfüllen. Hierbei wird der Hund von den Schülerinnen und Schülern geführt. Unterstützung erhalten

  sie dabei von der Lehrkraft.

  • ► Der Einsatz des Präsenzhundes zielt auf die Verbesserung des sozialen Gefüges in der Klasse, die Verbesserung
  •     des Klassenklimas sowie der Schüler/in- Lehrer/In- Beziehung. Zudem wird die individuelle soziale Kompetenz der

    Schülerinnen und Schüler gesteigert.

Der Schulbesuchshund

besucht die Klasse stundenweise in einem Projekt. Auch hier ist eine gelenkte und freie Interaktion möglich.

► Das Ziel ist die altersgerechte Wissensvermittlung über Hunde sowie über den Tierschutz.

3) Bedingungen für die Hundegestützte (Sonder-) Pädagogik in der Schule

a) Wesensmerkmale und Voraussetzungen eines Schulhundes am Bsp. von Amy

Amy

  • • ist freundlich und nimmt gern Kontakt zu Menschen auf.
  • • lässt sich gern anfassen.
  • • besitzt eine hohe Aggressionshemmung.
  • • ist wenig stressanfällig.
  • • verfügt über einen sehr guten Grundgehorsam.
  • • ist nicht bellfreudig.
  • • verfügt über ein niedriges bis mittleres Aktivitätsniveau.
  • • kann apportieren.
  • • zeigt keinerlei Beißansätze.

• ist wenig geräuschanfällig.

Amy erfüllt diese Kriterien in einem hohen Maße. Dennoch ist sie wie alle Hunde - und auch Menschen - nicht vollkommen und eine Reflexion ihrer Stärken und Schwächen stellt einen wichtigen Aspekt der Hundegestützten Pädagogik dar.

Selbstverständlich findet die Arbeit immer nur im vertrauten Team Lehrerin/Hund statt. Amy lebt bei Sabrina Cordes. Sie wird artgerecht versorgt.

Die hohe Belastung der Hunde, die durch die Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern entsteht, muss immer beachtet werden. Deshalb ist es sehr wichtig, die Zeichen und Signale des Hundes gut zu kennen und zu deuten, um eine mögliche Überforderung mit entsprechenden Konsequenzen zu vermeiden.

Regelmäßige Gesundheitschecks werden von den Tierärzten durchgeführt und dokumentiert. Ebenso alle Maßnahmen zur Gesundheitsprävention. Dies wird ebenfalls dokumentiert. 

b) Bedingungen für den Einsatz der Hunde

  • • Zustimmung der Schulleitung
  • • Zustimmung der Lehrerkonferenz/ Akzeptanz des Kollegiums
  • • Information der Eltern
  • • Zustimmung der Schulpflegschaft und –konferenz
  • • Klärung allergischer Reaktionen und Ängste
  • • Information der Eltern
  • • Erstellung eines Hygieneplans
  • • Information und Zustimmung der Haftpflichtversicherung
  • • Information des Hausmeisters
  • • Information des Schulamtes

• ​Eine auf den Einsatzort angepasste anerkannte Ausbildung

4) HuPäSch am Beispiel des Einsatzes von Amy

a) Die Ausbildung von Amy

Amy ist seit der 10. Lebenswoche in einer Hundeschule. Diese besucht sie mindestens 1x in der Woche.

Mit 16 Wochen hat Amy an einem Social-Dogs-Beginners-Kurs teilgenommen. Hier hat sie alle Welpentests bestanden. Eine erste Einschätzung zum Einsatz von Amy hat die Trainerin gegeben. Sie fand den Einsatz in der Schule als sehr empfehlenswert, da Amy eine sehr ruhige, vorsichtige und ausgeglichene Hündin ist.

Von September 2014 bis Mai 2015 hat die Therapiehund-Teamausbildung bei Stephanie Holtstiege (SocialDogs) stattgefunden. Diese wurde sehr erfolgreich absolviert.

Die Ausbildung in der Hundeschule ist immer mit dem „Vorhaben“ Amy als Therapiehund auszubilden, eng verknüpft. Die Ausbildung fand bis Mai 2014 bei Rütter`s D.O.G.S Möhnesee statt. Im Anschluss daran hat sie regelmäßig an Zusatzkursen wie beispielsweise Dummytraining, Fährtenarbeit, Begleithundetraining und Distanztraining  in der Rütter`s D.O.G.S Hundeschule Standort Hamm- Rhynern teilgenommen. Alles baute aufeinander auf. Seit August 2014 besucht Amy die Hundeschule Retrieverfreunde Beckum. Hier üben wir weiterhin am Grundgehorsam und erweitern die Dummyarbeit.

b) Der beispielhafte Einsatz von Amy in der Klasse

Amy schafft allein durch ihre Anwesenheit eine entspannte Atmosphäre in der Klasse. Sie unterstützt einzelne Schülerinnen und Schüler durch ihre Zuwendung und Nähe. Sie gibt vielen Schülerinnen und Schülern die Möglichkeit zum Stressabbau. Wichtig ist, dass alle Beteiligten (Menschen und Hunde) sich wohl fühlen. An erster Stelle steht immer das Wohl des Schülers/ der Schülerin! Zwingend notwendig ist zu Beginn die Erarbeitung von Regeln, an die sich jeder konsequent zu halten hat (z.B.: leise sein – die Hunde hören viel besser als die Menschen/ der Hund darf auf seinem Ruheplatz nicht gestört werden/ nichts auf dem Boden liegen lassen/ immer nur ein Schüler darf mit dem Hund agieren/ der Hund darf nur auf Erlaubnis der Lehrerin gefüttert werden/..). Diese konkret auf Amy abgestimmten Regeln sind alle verständlich und werden in Bild und Text ausgehangen.

In der Hundegestützten Sonderpädagogik wird zwischen der freien und gelenkten Interaktion unterschieden. Bei der freien Interaktion ist der Hund während des Unterrichtsgeschehens anwesend ohne bestimmte Aufgaben erfüllen zu müssen. Bei der gelenkten Interaktion sollen die Schülerinnen und Schüler dazu hingeführt werden, einige Übungen mit dem Hund aktiv zu erarbeiten. So werden den Schülerinnen und Schülern bestimmte Lerninhalte interessanter vermittelt. Die Schülerinnen und Schüler werden dadurch sehr motiviert. Das Lernen wird leichter und nachhaltiger.

Durch kleine Übungen mit dem Hund werden viele Förderbereiche angesprochen. Exemplarisch sei dies an folgender Aufgabe demonstriert.

Der Hund soll im Sitz oder Platz warten, bis der Schüler oder die Schülerin einen Futterbeutel versteckt hat.

Der Schüler/ die Schülerin muss dazu:

  • • die Aufmerksamkeit des Hundes bekommen (Kommunikation, Konzentration, Ausdauer, visuelle Wahrnehmung).
  • • den Hund mithilfe von eindeutigen Sicht- und/oder Hörzeichen ins „Sitz“ oder ins „Platz“  bringen (Sprache, Motorik).
  • • den Futterbeutel so verstecken, dass der Hund das Versteck nicht sieht (Kognition, visuelle Wahrnehmung,
  •   Raumlage).
  • • dem Hund das Kommando „Such“ geben (Sprache, Kognition, Motorik).

• den Hund belohnen mit Worten und evtl. einem Leckerchen (Sprache, Selbstbewusstsein, taktile Wahrnehmung)

Um eine scheinbar so einfache Übung auszuführen, bedarf es häufig einer sehr langen Übungsphase für den Schüler/ die Schülerin.

Die Anzahl der möglichen Übungen sind vielfältig. Sie lassen sich im Klassenzimmer sowie auch im Freien durchführen.

Aus verschiedenen Gründen kann der Hund manchmal nicht am Unterricht teilnehmen (Krankheit, die momentane Klassensituation lässt es nicht zu...). Trotzdem kann Hundegestützter Unterricht auch dann stattfinden, z.B. gestalten die Schüler ein „Klassen-Hundebuch“, schreiben einen Brief an „ihren“ Hund, etc.

Im Normalfall nimmt der Hund 2-3x in der Woche am Unterricht teil. Amy nimmt seit September 2013 regelmäßig am Schulunterricht teil. Sie wird in der Klasse von Sabrina Cordes mit ihr als Teampartner eingesetzt. Dies wird als Amy- Stunde für die Schülerinnen und Schüler bezeichnet.

5) Literatur

Bauer, J. (2008): Prinzip Menschlichkeit. Warum wir von Natur aus kooperieren (4. Auflage). München: Hoffmann & Campe.

Beetz, A., Kotrschal, K., Turner, D., Hedinger, K., Uvnäs- Moberg, K., Julius, H. (2011): The effect of social support by a dog in insecurely attached children: An exploratory study. London: Berg Publishers, Anthrozoös.

Otterstedt, C. (2007): Mensch und Tier im Dialog, Kommunikation und artgerechter Umgang mit Haus- und Nutztieren, Methoden der Tiergestützten Arbeit und Therapie. Stuttgart: Kosmos- Verlag.

http://www.buchklub.at/Unterrichtsimpulse/Sekundarstufe-1-2/Unterrichtsmaterialien-zu-Buchklub-GORILLA_NEU/Band-50-bis-41/Dachschaden-mit-Hund/Allgemeine-Hinweise-des-BMUKK-zu-Tieren-in-der-S.chule/Allgemeine-Hinweise-des-BMUKK-zu-Tieren-in-der-Schule.pdf (heruntergeladen am 28.08.2013)